Glückskind

Das Nest: Daisy II hat seit Wochen den Stall verweigert und am Heuboden gelegt und gebrütet. Gut gebaut – hinter 2 Windschutzscheiben hatte sie maximalen Schutz bei maximalem Rundblick! Am Morgen des 5. Juli 2011 sind unsere ersten Entenküken für heuer geschlüpft. Die Mama ist sogleich zur Scheunenluke hinausgeflogen, die Kleinen todesmutig hinterher – 4 m in die Tiefe, OHNE Flügel!?!! Als ich aufgestanden bin, haben sie mich schon beim Gehege bei der Futterstelle erwartet, sind wohl so klein und flauschig, dass sie wie eine Schneeflocke herabsinken! 🙂 Erst dachten wir, es sind nur 4 geschlüpft, aber dann fanden wir noch ein geöffnetes Ei im Nest, nur eine Flosse hat herausgeschaut:

Der Nachzügler – von Menschenhand aus dem Ei geschält: bedenklich nach links verrenkt, verklebt und unfähig zu gehen, zu trinken oder gar zu fressen. Die Flossen waren krampfig verkrümmt und viel zu weit gespreizt, sodass das Küken nicht einmal stehen konnte. Bei seinen ersten Gehversuchen (Komm schnell, es kann schon ein paar Schritte gehen!!!….) ist es oft auf den Rücken gepurzelt und hat dann mit den Flossen in die Luft gestrampelt wie ein Käfer.

Abgesehen davon, dass es sowieso Tabu ist, Küken aus dem Ei zu helfen, hatten wir kaum Hoffnung, dass er/sie/es lebensfähig sein würde.

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kein „Kopf hoch“ ohne Kopfstütze

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Und Kopferl halten… ein jämmerlicher Anblick, aber voller Energie, das Kleine!!! Es hat immer kräftig gepiepst, sobald sein Retter außer Sicht war… Unser Hund war schon mit den Nerven am Ende, aber die Entenmama wollte das Kleine nicht annehmen und hat danach gepeckt. So durfte es einmal in seinem Entenleben, gebadet und gehätschelt, mit uns auf der Couch einen Film anschauen. 😉

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Und DANN: die Eingliederung, Daisy hat es doch wieder akzeptiert!!!! Juhuuuu! Sonst hätte der/die Fipsi am Tag nach der schweren Geburt gleich mitfahren müssen an den Neusiedlersee…. (mangels Betreuung daheim)

die liebe Familie

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beim Bade

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Fipsi: noch ganz wenig linksschief, aber sehr sauber! 😀

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Fipsi von rechts – hat er/sie/es sich nicht prächtig entwickelt??? Wir erkennen sie nur noch an der blasseren Gelbfärbung und dem schwachen, runden Schatten überm rechten Auge!!

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Fipsi von hinten – leichte Schlagseite, aber schwimmt!

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Fiepsi von vorne

Ich hoffe nur, es ist kein Erpel, denn wir haben schon zwei – sonst wird er von den stärkeren verstoßen und vom Fuchs oder Marder verspeist.

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… irgendwer schwimmt schon wieder in der Trinkschüssel…

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… und zum Fressen: statt billigem Küken-Fertigfutter-Granulat (allermeistens aus GVOs) lieber feine Körnchen, also Leinsamen,  gelber und schwarzer Sesam, einige Chia-Seeds, Hirse, Braunhirse, sowie Brennesselsamen frisch aus dem Garten. Die sind allesamt gehaltvoller als die Getreidekörner, die die erwachsenen Enten bekommen, also gerade richtig für die Kleinen. Mit Käfern, Mücken und Würmchen versorgen sie sich schon selbst, und sehr bald sind die Nacktschnecken dran!!!
Sie picken auch gerne an den Fruchtständen von Gräsern u.ä., drum haben sie immer ein Bündel Wilde Hirse, Hafer und sonstige Gräser sowie Breitwegerichfruchtstände im Gehege. 3 Wochen müssen sie unterm Vogelschutznetz verbringen, dann zeigt ihnen die Mama den Bach! ==:D

Nachtrag 15. 11. 2011
Übrigens: Der Fipsi ist ein Bub geworden, und er hat ein neues Zuhause gefunden auf einem Permakultur-Hof in Niederösterreich; ihm wurden 3 junge Damen zur Seite gestellt. 🙂 So brauchen wir ihn weder schlachten noch seinem Schicksal in freier Natur überlassen, und es gibt auch keine Alt-Erpel, die ihm das Leben schwer machen. Er ist ein bissl klein geraten, aber ansonsten fit, kräftig und symmetrisch 😉 wie seine Geschwister.

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Über rapontica

Ich bin in der Steiermark geboren, habe in Wien Ernährungswissenschaften (Schwerpunkt Ernährungsökologie) studiert und lebe mit Mann und Hund im Wienerwald. Meine Lieblingsthemen sind essbare Wildpflanzen und Heil- bzw. Vitalpilze; zu den Pilzen habe ich in Winterthur (Schweiz) eine Fortbildung zur Mykotherapeutin absolviert. In Fachbeiträgen, Kursen und Vorträgen gebe ich dieses Wissen regelmäßig weiter - immer vor dem Hintergrund der menschlichen Ernährung im Wandel der Zeit. Dabei ist mein Ziel nicht die schlichte Wissensvermittlung, sondern das Weitergeben der Faszination für die Pflanzenwelt vor unserer Nase - und des teils verloren gegangenen Wissens um ihre Bedeutung für unsere körperliche und seelische Gesundheit.
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2 Antworten zu Glückskind

  1. Heidrun schreibt:

    Was für eine rührende Geschichte! So ein Glück, dass ihr das kleine gefunden habt und, dass ihr ihm helfen konntet! Warum war es denn so schief? Ist es jetzt ganz gesund?
    Sie sind alle sooo lieb, die Anouk hätte ihre helle Freude damit!!

    Schicken euch viele Grüße aus Holland (wo wir gerade alle paar Tage den Kinderbauernhof besuchen :-))
    Bussi Heidrun

    • rapontica schreibt:

      Ja, da hatte es wirklich Glück! Sonst wäre es erstickt – war ja schon halbtot, drum ist es auch so schief – ist einfach zu lang im Ei gesteckt. Ich dachte schon, bestimmte Nerven und Muskelstränge sind bereits abgestorben und es würde verkrüppelt bleiben, aber nein: Es hat sich vollkommen regeneriert und ist von den anderen nicht mehr zu unterscheiden!! Heute sind sie allerdings ausgebuxt – irgendwie haben sie es geschafft, in dem Gehege eine Lücke zu finden, und zwar ALLE. Sonst ist es eher so, dass eines wo durchschlüpft und selber nicht mehr weiß, wo der Durchlass war – da ist es schon 2 mal passiert, dass es (beide Male dasselbe!) sich mit Gewalt durch das engmaschige Kükengitter zwängen wollte, aber nur der Kopf durchpasste – und den hat es dann nicht mehr rausgekriegt, weil sich die Daunen verspreizt haben. Beide Male hat es der Michi entdeckt und musste es mit dem Seitenschneider freischneiden! Sonst hätte es sich zweifellos stranguliert. (Der Michi ist heuer echt der Küken-Samariter!!) Wahrscheinlich sind sie duch eins der beiden Löcher raus… Fahre jetzt eh heim und bin schon gespannt, ob die Glucke mit den Kleinen auch kommt!?
      Viel Spaß am Küken – äh – Kinderbauernhof! Bussi!

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