Annona’s Herbsttröster-Nockerln

Meine Großeltern kamen vor 65 Jahren aus Nordböhmen, später haben sie von dort – aus „der Heimat“ – einen Ebereschen-Setzling nach Österreich geholt. Der Baum steht noch immer im Garten und trägt jedes Jahr reichlich Ebereschen (= Vogelbeeren, Sorbus aucuparia), die mein Papa dann einkocht. Der Baum gehört zu den Rosengewächsen, gemeinsam mit Apfel, Birne, Mandel, Zwetschke, Marille, Pfirsich, Quitte, ………

Dass die Beeren giftig sind, ist etwas irreführend; sie sind ebensowenig ungenießbar wie (die ebenso giftigen) Kartoffeln oder Bohnen. Die enthaltene Parasorbinsäure (die Magenprobleme verursachen kann) wird beim Kochen abgebaut. Die Früchte sind also nicht giftiger als Hollerbeeren.

Der Name Eberesche ist irreführend – sie ist wie nämlich keine Esche, sondern wie gesagt ein Rosengewächs, „Eber“ hat hier dieselbe Bedeutung wie sonst meist „Aber“ wie in aberwitzig oder Aberglaube – also „nicht witzig“ oder „unrichtig“. Also eine „falsche Esche“.

Meine Oma hat die Beeren in ihre Mischmarmeladen hineingemischt. Sie enthalten viel Pektin und sparen somit Geliermittel, außerdem haben sie eine schöne, intensiv-orange Farbe (viele Carotinoide = Vitamin A-Vorstufen wie Betacarotin u.a.), UND sie enthalten – typisch für alle Rosengewächse – viele Gerb- und Bitterstoffe, die grob gesprochen den Stoffwechsel anregen. Den meisten Leuten schmeckt sie aber zu herb; manche (auch ich) mögen aber gerade das: Reine Ebereschenmarmelade ist orange und schmeckt fruchtig-säuerlich und holzapfelig-herb.

Vorgestern hab ich diese Brennesselnockerl mit Zwetschkenroester mit Ebereschen gekocht und mit Zimt-Nuss-Zucker bestreut.

Annona ist übrigens die übers Jahr alt gewordene vorchristliche Blumengöttin, die im Herbst ihre Fäden spinnt – dann wehen sie da und dort wie lange, feine Haare in Wiese und Gebüsch. (der „Altweibersommer“!) Im Herbst stand sie für Fülle und Fruchtbarkeit und wurde für eine reiche Ernte geehrt. Da mehrere besonders feine, kostbare Herbstfrüchte sind hier enthalten sind – Brennesselsamen, Zwetschken, Ebereschen, Nüsse – und ich mich heuer kaum mit dem Ende des Sommers abfinden kann, hab ich meine Erfindung nach ihr benannt.

Der Zwetschkenröster in den hübschen Rex- bzw. Weckgläsern!

Und hier eins der besten Dinge des Sommers: Brennesselsamen!!!!!

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Über rapontica

Ich bin in der Steiermark geboren, habe in Wien Ernährungswissenschaften studiert und lebe jetzt mit Mann und Hund im Wienerwald. Mein Lieblingsthema sind essbare Wildpflanzen, aber auch alle anderen Verwendungsmöglichkeiten wildwachsender Pflanzen, etwa die Herstellung von Natur(Heil)-Kosmetik aus Kräutern, Räuchern und alles andere, was mit Essbarem zu tun hat. Mein Ziel ist nicht die schlichte Wissensvermittlung, sondern das Weitergeben der Faszination für die Pflanzenwelt vor unserer Nase - und des teils verloren gegangenen Wissens um ihre Bedeutung in unserem Alltag.
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