Frühlingsschimmer

Es ist zwar noch Februar und die Vegetation noch im Winterschlaf, aber manche Pflanzen haben einen seichten Schlaf und können nicht bis zum Frühling warten.
Zum Beispiel sind immer wieder vereinzelte Blättchen vom Scharbockskraut zu sehen. Eine reiche Ausbeute wird das nicht, aber es reicht schon eine kleine Menge zum Drüberstreuen. Es darf nur zu Frühlingsanfang gegessen werden, solange es noch nicht blüht. Bis dahin ist es ein hervorragender Vitamin C-Spender. Sobald es die ersten Blüten produziert, steigt der Gehalt an Protoanemonin, welches Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann. Davor ist es aber bedenkenlos essbar.

Die Blatt-Rosetten der Gänseblümchen stehen sowieso den ganzen Winter über bereit, und an sonnig-milden Tagen schieben sie auch gleich mal ein paar Blüten raus.
Das knallgelbe „Auge“ des Gänseblümchens ist randvoll mit Carotinoiden, die unser Körper a) zu Vitamin A umbauen kann oder b) gleich so verwendet, wie sie sind: als Antioxidantien, die die Körperzellen vor Oxidation durch aggressive Sauerstoffmoleküle schützt. Ein Rostschutz also. 😉
So ist das Gänseblümchen gleich doppelt mit dem Auge assoziiert: Der englische Name „Daisy“ kommt von „days eye“. Und unsere Augen freuen sich am schönen Anblick und – ins Essen gemischt – über die Extraportion Vitamin A. Man kann auch die Knospen verwenden: mit heißem, gesalzenen Essigwasser überbrühen und in saubere Schraubgläser füllen. So bekommt man ganz besondere „Kapern“.

Gänseblümchen

Die Vogelmiere ist auch so ein Kandidat: Immer in den Startlöchern und nach einer kurzen milden Phase schon handvollweise zu ernten. Sie wird am besten frisch verwendet. Ihr Geschmack nach jungen Maiskölbchen passt in jeden Salat, oder zum Drüberstreuen über Kürbiscreme- und andere Suppen. Ihr hoher Mineralstoffgehalt macht sie zum perfekten Frühlingselixier für die müde Haut. Eventuell muss man mit ein paar Entgiftungserscheinungen (auch Pickel genannt) rechnen.Vogelmiere

Auch die Brennnesseln sind schon aktiv gewesen: Die allerersten Triebe, dunkelgrün und dunkellila überlaufen, habe ich schon gesichtet. Angreifen würd ich die aber nur mit Handschuhen! So sanftmütig sie im Herbst waren, so wild stechen sie im Frühling.
Brennnesseln sind immer eine gute Kieselsäure-Quelle, egal wie jung sie sind: Die Kieselsäure steckt nämlich in den Brennhaaren. Und für den violetten Hauch sind Anthocyane verantwortlich. Auch sie sind Antioxidantien (wie die Carotinoide des Gänseblümchens). Ebenfalls ein guter Zellschutz also. Darum ist die Brennnessel auch so gut geeignet, das (Binde-)Gewebe zu straffen. Denselben Effekt haben die Mineralstoffe, von denen die Brennnessel so phänomenal viele enthält. Vom Rohgenuss würde ich dringend abraten! Am besten mit etwas Fett und einem Schuss Wasser in die Pfanne geben, Deckel drauf und kurz erhitzen, sodass die Pflanzen gut gedämpft werden. Sobald sie zusammengefallen sind, können die gemeinen Haare nicht mehr stechen.

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MAHLZEIT!

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Über rapontica

Ich bin in der Steiermark geboren, habe in Wien Ernährungswissenschaften studiert und lebe jetzt mit Mann und Hund im Wienerwald. Mein Lieblingsthema sind essbare Wildpflanzen, aber auch alle anderen Verwendungsmöglichkeiten wildwachsender Pflanzen, etwa die Herstellung von Natur(Heil)-Kosmetik aus Kräutern, Räuchern und alles andere, was mit Essbarem zu tun hat. Mein Ziel ist nicht die schlichte Wissensvermittlung, sondern das Weitergeben der Faszination für die Pflanzenwelt vor unserer Nase - und des teils verloren gegangenen Wissens um ihre Bedeutung in unserem Alltag.
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