Gänseblümchen – Mauerblümchen?

Bellis perennis – das Gänseblümchen auf „Wissenschaftlich“. Endlich ein eigener Beitrag für mein Gänseblümchen-Headerfoto. Und außerdem ist das Gänseblümchen heuer Heilpflanze des Jahres – Ehre, wem Ehre gebührt! Solang das Gänseblümchen nicht blüht, wird es allerdings kaum erkannt und gnadenlos als Unkraut verfolgt.

„Bellis“ heißt „die Schöne“, und „perennis“ bedeutet „das ganze Jahr“: Denn das winzige Blümchen kann fast zu jeder Zeit im Jahr erblühen, wenn das Wetter nur eine Zeit lang halbwegs mild ist. In freier Natur findet man es kaum, eher in Gärten; es mag – wie auch der Löwenzahn – Wiesen, die häufig gemäht bzw. beweidet werden. Sein englischer Name „Daisy“ kommt von „days eye“ – Tagesauge.

Womit auch schon die erste Indikation angesprochen ist: Das Gänseblümchen verleiht eine „klare Sicht“, es reinigt Haut und Schleimhäute und somit auch und vor allem das Auge. Das strahlende Gelb im Zentrum der Korbblüte kommt von nichts anderem als einer ganzen Menge an Carotinoiden, die erstens zellschützend wirken und zweitens für den Sehvorgang von Bedeutung sind. Wenn also die Augen müde werden, ist das Tagesauge ein gutes Helferlein.

Um diese Wirkungen zu erzielen, können die kleinen Blüten – und auch schon die Knospen – als rohes Wildgemüse allen kalten Speisen beigemengt oder auf die fertige Suppe gestreut werden. Als Heilanwendungen bieten sich Aufgüsse (Tees) und Tinkturen an. Innerlich angewendet, wirken sie schleimlösend, blutreinigend, stoffwechselanregend und leicht abführend – also alles in allem ein belebendes, reinigendes Tonikum. Es lässt sich wunderbar trocknen und so das ganze Jahr über mit dem Guten-Morgen-Tee aufgießen.

Das Tausendschönchen wird in seiner Wirkung auch mit der Ringelblume verglichen: Es ist ebenso hautregenerierend wie diese, da es den Hautstoffwechsel anregt und das Unterhaut-Bindegewebe festigt. In der Homöopathie wird Bellis bei Wechselbeschwerden und nach Unterleibsoperationen eingesetzt, bzw. allgemein bei Wundschmerzen und Blutergüssen.

Und noch eine Besonderheit: Das Gänseblümchen ist reich an Saponinen – sekundären Pflanzenstoffen, die die Aufnahme von Nähr- und Wirkstoffen im Darm begünstigen. So verstärkt  das Gänseblümchen die Wirkung weiterer gleichzeitig aufgenommener Kräuter.


Hier ein Rezept für Gänseblümchen-Kapern. Man benötigt etwas Zeit zum Sammeln der kleinen Knospen. Diese Arbeit ist sehr meditativ, und man hat ausreichend Gelegenheit, „back to the roots“ zu gehen: Begebt euch am besten auf alle Viere und erfreut euch – in Anlehnung an das japanische „Waldbaden“ – an den Gerüchen von Erde und Gras. Der Geschmack der eingelegten Knospen kommt 1 Woche später nach. 🙂

Gänseblümchen-Kapern
200 g Gänseblümchen-Knospen
300 ml Apfelessig
1 TL Salz

Die Knospen mit dem Essig kurz aufkochen, salzen und heiß in dicht schließende Schraubgläser füllen. 1 Woche ziehen lassen.

Quelle: Mayer, Elisabeth: Wildfrüchte, -gemüse, -kräuter, Leopold Stocker Verlag (abgewandelt)

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Über rapontica

Ich bin in der Steiermark geboren, habe in Wien Ernährungswissenschaften (Schwerpunkt Ernährungsökologie) studiert und lebe mit Mann und Hund im Wienerwald. Meine Lieblingsthemen sind essbare Wildpflanzen und Heil- bzw. Vitalpilze; zu den Pilzen habe ich in Winterthur (Schweiz) eine Fortbildung zur Mykotherapeutin absolviert. In Fachbeiträgen, Kursen und Vorträgen gebe ich dieses Wissen regelmäßig weiter - immer vor dem Hintergrund der menschlichen Ernährung im Wandel der Zeit. Dabei ist mein Ziel nicht die schlichte Wissensvermittlung, sondern das Weitergeben der Faszination für die Pflanzenwelt vor unserer Nase - und des teils verloren gegangenen Wissens um ihre Bedeutung für unsere körperliche und seelische Gesundheit.
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