Waldbaden – Gesundheit aus Japan

Dies ist die erste Folge meiner Kolumne in der Zeitschrift des Österreichischen Kneippbundes, erschienen in der Ausgabe 09/2017. Verwendung mit freundlicher Genehmigung der „Kneipp bewegt“-Redaktion! 🙂

Dass Waldluft gesund ist, hat man schon immer „irgendwie“ gewusst. Nun hat „Shinrin-yoku“ endlich auch Europa erreicht: In Japan wird das Baden in Waldluft seit 1982 behördlich empfohlen; seit 2012 wird die „Forest Medicine“ sogar in einem eigenen Studienzweig erforscht.

Waldbaden

Denn Wald wirkt nicht nur über die Psyche. Alle Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen geben Stoffe in die Luft ab. Blätter, Borken, Wurzeln, Moose, Erde – sie alle verströmen Substanzen, die direkt unser Immunsystem ansprechen. Sie stärken unsere Abwehrkräfte so gründlich, dass sie sogar Krebs bekämpfen.

Ein Waldbad soll nicht anstrengend sein. Sich vom Wald durchdringen lassen, ganz in seinen Gerüchen, Geräuschen, Temperatur, Licht und Farben aufgehen, vielleicht sogar eine Atemübung machen – so nehmen wir die Waldatmosphäre am tiefsten in uns auf. Am allerbesten nach einem Sommerregen.

Nachtrag: Die Effekte aufs Immunsystem hören mit dem Inhalieren von Substanzen aus der Luft noch lange nicht auf, auch die Bedeutung von Mikroorganismen ist immens. Für ein möglichst kompetentes Immunsystem braucht es eine größtmögliche Vielfalt an Keimen, Bakterien, Pilzsporen, … Und wo könnte diese Vielfalt größer sein als in freier Wildbahn? Schließlich trägt jeder Käfer, jeder Wurm, sogar jede Laus ihren kleinen Zoo an Mikroorganismen mit sich! Auch diese Einzeller können aufgewirbelt werden und über die Mund-, Nasen- und Rachenschleimhaut eindringen, sodass unsere Immunabwehr gefordert wird. Und sie können an Handfläche und Fußsohle die Haut durchwandern, wann immer man in Wald und Wiese etwas angreift oder barfuß geht. (ruhig mal in der Erde wühlen!) Schon die Bakterienflora auf Obst und Kräutern aus dem Garten ist wesentlich reichhaltiger als die auf Produkten vom Feld. Dieses niederschwellige Immuntraining mittels Mikroorganismen aus der Natur kommt einer Impfung gleich. Es macht robuster gegenüber den fieseren Keimen in Ballungsräumen oder Krankenhäusern.

Ratsam ist sowas natürlich nur an nicht verunreinigten Orten; Hunde-Gassistrecken und gespritzte Agrarflächen werden diesbezüglich schon instinktiv gemieden.

Kontraindikation: Bei (immun-)geschwächten, gebrechlichen, sehr alten oder sehr jungen Menschen kann eine allzu intensive Exposition riskant sein.

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Über rapontica

Ich bin in der Steiermark geboren, habe in Wien Ernährungswissenschaften (Schwerpunkt Ernährungsökologie) studiert und lebe mit Mann und Hund im Wienerwald. Meine Lieblingsthemen sind essbare Wildpflanzen und Heil- bzw. Vitalpilze; zu den Pilzen habe ich in Winterthur (Schweiz) eine Fortbildung zur Mykotherapeutin absolviert. In Fachbeiträgen, Kursen und Vorträgen gebe ich dieses Wissen regelmäßig weiter - immer vor dem Hintergrund der menschlichen Ernährung im Wandel der Zeit. Dabei ist mein Ziel nicht die schlichte Wissensvermittlung, sondern das Weitergeben der Faszination für die Pflanzenwelt vor unserer Nase - und des teils verloren gegangenen Wissens um ihre Bedeutung für unsere körperliche und seelische Gesundheit.
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