Gegen alles ist ein Winterling gewachsen

Zum Abschied von 2017 noch schnell etwas Saisonales.

Was ist ein Winterling? Ja, das ist nicht ganz einfach, da gibt es nämlich mindestens 3 Möglichkeiten: Judasohr, Austernpilz oder Samtfußrübling. Das sind Pilze, die durch den Kältereiz angeregt werden, Fruchtkörper zu bilden. Sie haben dadurch den Vorteil, dass im Winter der Fraßdruck durch Insekten, Bakterien und Schimmelpilze stark verringert ist. Alle drei sind Baumpilze. Dazu zwei kleine Überlieferungen:

  1. Nahrung von Vierbeinern (Rind, Schwein, …) ist nicht so gesund wie Nahrung von Zweibeinern (damit sind natürlich Vögel gemeint, z. B. Hühner);
    Nahrung von Zweibeinern ist nicht so gesund wie Nahrung von Einbeinern – und damit sind Pilze gemeint.
  2. Und Hildegard von Bingen fügte hinzu: Besser Baumpilze als Bodenpilze!

Für uns Menschen (und auch Tiere) sind sie als köstliche Speisepilze interessant, und natürlich als Heilmittel. Man kann – aus selbst gesammelten oder gekauften Pilzen – ein stärkendes Elixier herstellen, das gegen jegliches Leid schützen sollte. 😉 Jeder der drei genannten Pilze kann dazu verwendet werden. Ich habe das unfassbare Glück, zwei von von den dreien jetzt gerade im Garten zu haben; und den Austernpilz habe ich schon beim Spazierengehen gefunden. So treibt mich der Heilpilz-Jagdtrieb immer wieder an bestimmte Orte im Wald, um zu sehen, ob es was zu sammeln gibt. Außerdem fällt von meinem Arbeitstisch aus mein Blick genau auf einige Birkenporlinge auf einer der Birken vorm Haus. Ich habe etwas davon in Korn angesetzt. Fürs neue Jahr. 🙂

Heilpilztinktur

… aus getrockneten Pilzen: 1 l Korn (38 %) in ein verschließbares Glas geben. 50 g Pilzpulver einrühren. Verschließen und 10 – 14 Tage an einen dunklen Ort stellen. Danach abseihen und in Tropfer-Fläschchen umfüllen. 2 x täglich 20 Tropfen in Wasser oder Tee.

… aus frischen Pilzen:  Glas zu 2/3 mit den frischen Pilzen füllen, mit möglichst hochprozentigem Alkohol auffüllen (z. B. Ansatzkorn = 80 %). Gut verschließen und warm stellen (es ist ja Winter). Nach 4 Wochen durch ein Sieb passieren, in braune Flaschen füllen und auf 30 % verdünnen. (Den Sud mit Wasser bedecken und 24 h ziehen lassen und abseihen, das ergibt einen Gesundheitstrunk.) 3 x täglich 6 Tr. in Wasser, Tee oder Saft.

Die gesundheitlichen Wirkungen von Pilzen sind in der Volksheilkunde erschöpfend beschrieben, und langsam zieht endlich auch die medizinische Forschung nach. Folgende Wirkungen sind bislang wissenschaftlich bestätigt:

Austernpilz (Pleurotus ostreatus)

  • cholesterinsenkend (wenn erhöht)
  • entzündungshemmend
  • antioxidativ
  • tumorhemmend
  • verdauungsfördernd
  • Osteoporose-Prophylaxe
  • immunmodulierend

Der Austernpilz oder Austernseitling hat neben „Winterpilz“ noch weitere sprechende Beinamen, nämlich „Weihnachtspilz“ und „Kalbfleischpilz“. Er ist in Konsistenz und Eiweißzusammensetzung einem zarten Kalbssteak nicht unähnlich. Foto: © Holger Krisp, Ulm

Austern-Seitling_Austernpilz_Pleurotus_ostreatus

Judasohr (Auricularia auricula-judae)

  • blutstillend (innerlich und äußerlich)
  • blutgerinnungshemmend – verbessert die Fließeigenschaften des Blutes, daher …
  • durchblutungsfördernd
  • Bluthochdruck
  • blutzuckersenkend (wenn erhöht)
  • cholesterinsenkend (wenn erhöht)
  • Diabetes Typ 2
  • tumorhemmend
  • antioxidativ
  • entzündungshemmend
  • Hämorrhoiden
  • Muskelkrämpfe
  • Schmerzen des Bewegungsapparats (v. a. Rücken)
  • Tonikum, Stärkungsmittel

Also insgesamt ein Rundum-Gesunderhalter, wenn vorbeugend eingenommen, und ein gutes Ausgleichsmittel, wenn etwas aus dem Lot geraten ist. Es ist übrigens das europäische Pendant zum Mu-err, der schwarzen „Morchel“ in der Suppe im Chinarestaurant. (die Bezeichnung Morchel ist hier falsch) Judasohren enthalten sogenannte sulfatierte (also schwefelhaltige) Polysaccharide, die Polysacchariden in Algen ähneln. Foto: © Svdmolen 2005

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Samtfußrübling

  • tumorhemmend (begleitend in der Krebstherapie)
  • immunmodulierend (ausgleichend, auch bei Allergien)
  • antioxidativ (Zellschutz)
  • virushemmend
  • Magenschleimhautentzündungen
  • Entzündungen der Magenschleimhaut
  • Bluthochdruck
  • Leberleiden

Der Samtfußrübling (Flammulina velutipes) ist im Heilpilz-Handel unter dem Namen Enoki erhältlich. In der Schweiz, wo die Schmetterlingstramete nicht als Vitalpilz zugelassen ist, wird er als Ersatz für diese verordnet. Foto: © Henk Monster, Arnhem/D 2014

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Die genannten Anwendungsbereiche sind nicht in Stein gemeißelt, denn erstens sind sie nur eine grobe Zusammenfassung, und zweitens werden laufend weitere Eigenschaften wissenschaftlich bestätigt.

© Headerfoto: Wikicommons, Sideways.72, November 2015

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Oktoberwaldstrudel

Hab ich endlich auch mal einen richtigen Herrenpilz gefunden! Wurde nach den ganzen Frauentäublingen im September aber auch Zeit.

Ich hab ihn kleingeschnippelt und zu den gerösteten Zwiebeln und Knoblauch getan. Dann einen Esslöffel Suppenstock dazu und alles schön durchgebraten. Nach dem Überkühlen gekochte, gewürfelte Kartoffeln, Pfeffer, 2 rohe Eier und 100 g geriebenen Käse dazu, UND eine Handvoll klein geschnittenes Lungenkraut, das jetzt gerade so knackig grün sprießt, als gäbs keinen Winter! Dann alles in einen Blätterteig gewickelt, mit Öl bestrichen und bei 180 °C eine halbe Stunde gebacken. War ziemlich schnell wieder weg. 😉

Der Suppenstock ist sowas wie ein selbstgemachter Suppenwürfel: Frisches Gemüse (rote Rüben und anderes Wurzelgemüse, Selleriegrün, Kohlrabi, Zwiebeln und Knoblauch), mit viel Salz und etwas Öl in der Küchenmaschine fein zerkleinert und in saubere Gläser gefüllt, hält im Kühlschrank ziemlich lang. Bei Bedarf entnimmt man einfach ein, zwei Löffel. Und nicht nur für die Suppe.

Pilze & Radioaktivität

Wie viele Röhrlinge, zeigt auch der Herren- oder Steinpilz (Boletus edulis) seit 1986 eine gewisse radioaktive Belastung. Jedoch in viel geringerem Ausmaß als der Maronenröhling. Dennoch kann man sie hie und da als Lebensmittel konsumieren, auch den Maronenröhrling. Radioaktivität ist ein Naturphänomen, wir sind ihr – mit regionalen Schwankungen – ständig in kleiner Menge ausgesetzt.

Hin und wieder ein Pilz im Essen ist kein Problem; als Heilpilze – also kurmäßig – eingesetzt sieht es wieder anders aus. Also: Steinpilz und v.a. Maronenröhrling nur hie und da als Lebensmittel, aber NICHT als Heilmittel! Eigentlich schade; denn der Steinpilz soll Muskulatur und Sehnen entspannen. Doch für diese Zwecke gibt es ja andere, die im Handel (in Kapseln) erhältlich sind, ganz besonders den Austernseitling (Pleurotus ostreatus), mit dem man speziell im Bereich der Lendenwirbelsäule schon Erfolge verzeichnet haben soll.

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Letzte öffentliche Kräuterwanderung für heuer!

 … und es erwartet uns ideales Wanderwetter!!! 🙂

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Wien/Steinhofgründe: Egal, ob Sie Brennnessel oder Löwenzahn schon kennen: Alte Bekannte und neue Freunde werden bei dieser kleinen Wanderung aufgespürt, gepflückt, analysiert, gestreichelt, beschnuppert, gekostet und ausgiebig bestaunt. Essbare Wildpflanzen sind kostenloses Powerfood, sind immer saisonal und regional und lassen uns die uralte Tradition des Sammelns fortführen. Sie erfahren, wie Sie die Wildkräuter sicher erkennen, was sie für uns so wertvoll macht, wie sie zu verwenden sind und wie sie in früheren Zeiten verwendet wurden. Und nebenbei erhalten Sie das eine oder andere Rezept.
Passend zum Thema: mein Beitrag Ernährung und Volkskrankheiten im neuen Online-Magazin Ernährung&Gesundheit.

Anmeldung: VHS polycollege Wien, Tel. +43 1 891 74 105 000

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ICH HAB VON DER GEMEINEN STINKMORCHEL GEKOSTET!

Keine halben Sachen: Seit ich mich mit Heilpilzen beschäftige, schau ich mir auch die Schwammerln im Wald genauer an. Und jetzt ist ja alles voll davon – nur finde ich meistens keine Steinpilze, Parasole oder Eierschwammerln, sondern undefinierbare Gewächse, die ich nicht im Buch finde oder mit denen ich einfach nichts anzufangen weiß.

Zum Beispiel Stinkmorcheln. Das sind ja wirklich skurrile Lebewesen, wer würde das schon mitnehmen wollen. Dachte ich. Bis gestern. Die Hexeneier im Boden, teils noch geschlossen, teils schon ein wenig aufgeplatzt, schauen aus als würden hier bald kleine Aliens das Licht der Welt erblicken. Ich konnte nicht anders – ich hab eins mit dem Taschenmesser ausgehebelt (das ging erstaunlich leicht) und mit nachhause genommen.

Ich dachte, das wären Hundsruten, aber um sicher sein zu können, muss man die Dinger sezieren. Die Neugier hat gesiegt, und ich hab das Messer angesetzt und gesäbelt – das ging erstaunlich schwer! Am Querschnitt bzw. der Färbung war klar zu sehen: keine Hundsrute, sondern eine Gemeine Stinkmorchel.

Ich wusste schon, dass man die im Hexenei-Stadium essen kann, aber ich hatte irgendwie keinen Hunger. Also hab ich ein paar Fotos gemacht, die Gallerthülle entfernt, wieder ein paar Fotos gemacht, das Pilz-Küken ein wenig zerschnippelt, nur um zu sehen, wie es sich verhält. Und dann war die Neugier stärker: Ich hab ein Bröselchen gekostet. Und tatsächlich: Schmeckt ähnlich wie Bierrettich, und fühlt sich auch so an! Und weiß ist es auch! Ich hab noch ein bisschen davon geknabbert – also sollte mal eine Hungersnot ausbrechen, hab ich wahrscheinlich alle ungeschlüpften Stinkmorcheln für mich alleine. Mahlzeit!

Nachtrag zweieinhalb Monate später: 
Die gallertartige Masse des Hexeneies hat eine unglaubliche Eigenschaft! Reibt man sie (frisch) auf Hände und Gesicht, so wird die Haut unverzüglich cremig, geradezu seifig-weich. Die Gallerte ist extrem feuchtigkeitsbindend; diese Wirkung hält auch nach Stunden noch an. (Zitiert aus: http://www.123pilze.de)

Hätt ich das doch früher gewusst! Ausgerechnet Phallus impudicus für die totale Schönheit! 👸 Und ich hab das Glibberzeug mit spitzen Fingern weggeworfen, ich gebs zu. Jetzt muss ich wieder bis Oktober warten …

 

Und noch ein paar Bilder vom Fundort:

 



 

Die kleinen Rotfußröhlinge haben uns doch besser geschmeckt.

Rotfussröhrlinge

#heilpilze #vitalpilze

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Waldbaden – Gesundheit aus Japan

Dies ist die erste Folge meiner Kolumne in der Zeitschrift des Österreichischen Kneippbundes, erschienen in der Ausgabe 09/2017. Verwendung mit freundlicher Genehmigung der „Kneipp bewegt“-Redaktion! 🙂

Dass Waldluft gesund ist, hat man schon immer „irgendwie“ gewusst. Nun hat „Shinrin-yoku“ endlich auch Europa erreicht: In Japan wird das Baden in Waldluft seit 1982 behördlich empfohlen; seit 2012 wird die „Forest Medicine“ sogar in einem eigenen Studienzweig erforscht.

Waldbaden

Denn Wald wirkt nicht nur über die Psyche. Alle Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen geben Stoffe in die Luft ab. Blätter, Borken, Wurzeln, Moose, Erde – sie alle verströmen Substanzen, die direkt unser Immunsystem ansprechen. Sie stärken unsere Abwehrkräfte so gründlich, dass sie sogar Krebs bekämpfen.

Ein Waldbad soll nicht anstrengend sein. Sich vom Wald durchdringen lassen, ganz in seinen Gerüchen, Geräuschen, Temperatur, Licht und Farben aufgehen, vielleicht sogar eine Atemübung machen – so nehmen wir die Waldatmosphäre am tiefsten in uns auf. Am allerbesten nach einem Sommerregen.

Nachtrag: Die Effekte aufs Immunsystem hören mit dem Inhalieren von Substanzen aus der Luft noch lange nicht auf, auch die Bedeutung von Mikroorganismen ist immens. Für ein möglichst kompetentes Immunsystem braucht es eine größtmögliche Vielfalt an Keimen, Bakterien, Pilzsporen, … Und wo könnte diese Vielfalt größer sein als in freier Wildbahn? Schließlich trägt jeder Käfer, jeder Wurm, sogar jede Laus ihren kleinen Zoo an Mikroorganismen mit sich! Auch diese Einzeller können aufgewirbelt werden und über die Mund-, Nasen- und Rachenschleimhaut eindringen, sodass unsere Immunabwehr gefordert wird. Und sie können an Handfläche und Fußsohle die Haut durchwandern, wann immer man in Wald und Wiese etwas angreift oder barfuß geht. (ruhig mal in der Erde wühlen!) Schon die Bakterienflora auf Obst und Kräutern aus dem Garten ist wesentlich reichhaltiger als die auf Produkten vom Feld. Dieses niederschwellige Immuntraining mittels Mikroorganismen aus der Natur kommt einer Impfung gleich. Es macht robuster gegenüber den fieseren Keimen in Ballungsräumen oder Krankenhäusern.

Ratsam ist sowas natürlich nur an nicht verunreinigten Orten; Hunde-Gassistrecken und gespritzte Agrarflächen werden diesbezüglich schon instinktiv gemieden.

Kontraindikation: Bei (immun-)geschwächten, gebrechlichen, sehr alten oder sehr jungen Menschen kann eine allzu intensive Exposition riskant sein.

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Ein jadegrünes Plüschsofa im Wald

… vor wenigen Tagen im Wienerwald gefunden.

Trametes hirsuta, die grüne Schwester der Schmetterlingstramete, steht ihrer Verwandten in medizinischer Hinsicht in nichts nach: Wie diese hat auch sie immunmodulatorische, krebshemmende und antioxidative Eigenschaften.

„Hirsuta“ heißt haarig, und wie man sieht, macht sie ihrem Namen alle Ehre! Im Mykotherapie-Fachjargon heißen die Trameten „Coriolus“. Sie gehören praktischerweise zu jenen Pilzen, die nicht zur Anreicherung von Schadstoffen oder Strahlung neigen und können daher bedenkenlos gesammelt und kurmäßig eingenommen werden.

Trameten gehören zu den Krebs-hemmenden Heilpilzen. Sie enthalten Flavonoide, die die DNA im Zellkern vor Oxidation schützen. Trametes-Inhlatsstoffe sind außerdem stark antibiotisch, indem sie eine Vermehrung unserer „Natürlichen Killerzellen“ bewirken. Sie werden erfolgreich gegen Bakterien und Viren eingesetzt, und sogar gegen Parasiten wie Malaria oder Toxoplasmose.

Trameten sind Baumpilze und leben als Schwächeparasit, befallen also Bäume, die nicht mehr ganz gesund sind. Auch dieser Baum ist, wie man sieht, nicht mehr ganz gesund. 😉 Es war wohl einmal eine Rotbuche – häufiger Wohnort der Schmetterlings- und der Striegeligen Tramete.


Mehr über Pilze mit gesundheitlichem Zusatznutzen: Heilpilze – Nahrung und Medizin

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Gänseblümchen – Mauerblümchen?

Bellis perennis – das Gänseblümchen auf „Wissenschaftlich“. Endlich ein eigener Beitrag für mein Gänseblümchen-Headerfoto. Und außerdem ist das Gänseblümchen heuer Heilpflanze des Jahres – Ehre, wem Ehre gebührt! Solang das Gänseblümchen nicht blüht, wird es allerdings kaum erkannt und gnadenlos als Unkraut verfolgt.

„Bellis“ heißt „die Schöne“, und „perennis“ bedeutet „das ganze Jahr“: Denn das winzige Blümchen kann fast zu jeder Zeit im Jahr erblühen, wenn das Wetter nur eine Zeit lang halbwegs mild ist. In freier Natur findet man es kaum, eher in Gärten; es mag – wie auch der Löwenzahn – Wiesen, die häufig gemäht bzw. beweidet werden. Sein englischer Name „Daisy“ kommt von „days eye“ – Tagesauge.

Womit auch schon die erste Indikation angesprochen ist: Das Gänseblümchen verleiht eine „klare Sicht“, es reinigt Haut und Schleimhäute und somit auch und vor allem das Auge. Das strahlende Gelb im Zentrum der Korbblüte kommt von nichts anderem als einer ganzen Menge an Carotinoiden, die erstens zellschützend wirken und zweitens für den Sehvorgang von Bedeutung sind. Wenn also die Augen müde werden, ist das Tagesauge ein gutes Helferlein.

Um diese Wirkungen zu erzielen, können die kleinen Blüten – und auch schon die Knospen – als rohes Wildgemüse allen kalten Speisen beigemengt oder auf die fertige Suppe gestreut werden. Als Heilanwendungen bieten sich Aufgüsse (Tees) und Tinkturen an. Innerlich angewendet, wirken sie schleimlösend, blutreinigend, stoffwechselanregend und leicht abführend – also alles in allem ein belebendes, reinigendes Tonikum. Es lässt sich wunderbar trocknen und so das ganze Jahr über mit dem Guten-Morgen-Tee aufgießen.

Das Tausendschönchen wird in seiner Wirkung auch mit der Ringelblume verglichen: Es ist ebenso hautregenerierend wie diese, da es den Hautstoffwechsel anregt und das Unterhaut-Bindegewebe festigt. In der Homöopathie wird Bellis bei Wechselbeschwerden und nach Unterleibsoperationen eingesetzt, bzw. allgemein bei Wundschmerzen und Blutergüssen.

Und noch eine Besonderheit: Das Gänseblümchen ist reich an Saponinen – sekundären Pflanzenstoffen, die die Aufnahme von Nähr- und Wirkstoffen im Darm begünstigen. So verstärkt  das Gänseblümchen die Wirkung weiterer gleichzeitig aufgenommener Kräuter.


Hier ein Rezept für Gänseblümchen-Kapern. Man benötigt etwas Zeit zum Sammeln der kleinen Knospen. Diese Arbeit ist sehr meditativ, und man hat ausreichend Gelegenheit, „back to the roots“ zu gehen: Begebt euch am besten auf alle Viere und erfreut euch – in Anlehnung an das japanische „Waldbaden“ – an den Gerüchen von Erde und Gras. Der Geschmack der eingelegten Knospen kommt 1 Woche später nach. 🙂

Gänseblümchen-Kapern
200 g Gänseblümchen-Knospen
300 ml Apfelessig
1 TL Salz

Die Knospen mit dem Essig kurz aufkochen, salzen und heiß in dicht schließende Schraubgläser füllen. 1 Woche ziehen lassen.

Quelle: Mayer, Elisabeth: Wildfrüchte, -gemüse, -kräuter, Leopold Stocker Verlag (abgewandelt)

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