Wo liegt der Rapunzelgarten?

Beruflich bin ich das Ernährungsbüro Gerit Fischer. (Seite noch in Arbeit!)
Privat bin ich lieber privat und im Netz nicht zu finden.

In der Mitte zwischen beiden liegt der Rapunzelgarten. Er ist meine Spielwiese für die Überschneidungen zwischen beruflich und privat, hier tobe ich mich aus mit allem, was mich fachlich interessiert, aber nicht in mein berufliches Angebot passt bzw. was mich persönlich interessiert – und doch nicht zu persönlich ist für die Öffentlichkeit.

Der Rapunzelgarten ist fiktiv; Anfragen zur Besichtigung muss ich daher leider abweisen!
Ich freue mich aber über Besuche hier im Blog und über gedanklichen Austausch!

Bis bald,
Gerit

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Jaaaa, die Zwiebelzahnwurz ist daaaaa!

⇒ BEI INTERESSE AN EINER KRÄUTERWANDERUNG WESTLICH VON WIEN BITTE MELDEN! Das genaue Datum im April ist noch nicht fixiert. Tel. 0699 11 37 57 11 oder per Mail oder Kommentar!


Heuer haben sie mich überrumpelt: Normalerweise stochere ich, kaum dass der Winter vorbei ist, ungeduldig unterm Laub herum, um zu sehen, ob die Zahnwurz-Babys schon in den Startlöchern sind. Und diesmal waren sie plötzlich heraußen. Auch schön! 😀

Die Zwiebelzahnwurz heißt auch Zwiebeltragende Zahnwurz oder Zwiebelschaumkraut oder Cardamine bulbifera (alt: Dentaria bulbifera) und ist ein Kreuzblütler. Und was ein echter Kreuzblütler ist, hat mehr oder weniger Scharfstoffe – mehr im Fall von Kren oder Senf, weniger im Fall der Kohlgemüse-Pflanzen, die auch alle zu den Kreuzblütlern gehören. Unsere Zahnwurz hat so mittelviel, im Schärfe-Ranking vergleichbar mit ihren Schwestern Rucola und Kresse.

Frisch geschlüpft. Schon jetzt sind mehrere gefiederte Blätter erkennbar.

Wenn sie groß ist, erkennt man die Ähnlichkeit zu ihrem kleineren Geschwisterchen, dem Wiesenschaumkraut: Sie haben dieselben blassvioletten, kreuzförmigen Blüten. Die „Zwiebel“ im Namen bezieht sich auf die schwärzlich-grünen Kugerln, die zur Blütezeit in den Blattachseln erscheinen. Auch der lateinische Art-Name bulbifera weist auf diese „Bulben“ hin. Essbar ist die ganze Pflanze, man kann also die kleinen Kugeln vom Stiel streifen und – erraten: übers Essen streuen. 😀

… Bilder zum Vergrößern anklicken!

Und das ist junges Wiesenschaumkraut, wie es erst im späteren Frühling zu finden ist:

Wiesenschaumkraut_jung_4

Das sind übrigens die „Zähne“ der Zahnwurz:

Zwieberl, Bulbus, Kugerl, Klon
Aber wieso eigentlich Kügelchen? Alle anderen Pflanzen kommen ja auch ohne aus! Genau: Die Zahnwurz hat sich da etwas sehr Ungewöhnliches einfallen lassen. Zwar bildet sie auch Samen, die – nona – aus der Blüte hervorgehen, aber als zusätzliches Extra lässt sie ihre kugeligen Bulben zu Boden fallen, wo sie Wurzeln schlagen und sofort loswachsen können. Während Samen erst noch einen Keimprozess durchlaufen müssen. Dort, wo andere Pflanzen nämlich Seitenverzweigungen haben (also in den Blattachseln), sind bei der bulbifera diese Seitentriebe gestaucht und reduziert. Man kann an ihnen sogar andeutungsweise die Blattanlagen erkennen. Sie nabeln sich alsbald von der Pflanzenmama ab, um auf die Erde zu fallen. Die ist meistens feucht, denn das mag die Zahnwurz. Die Pflänzchen, die daraus entstehen, sind nicht durch sexuelle, sondern durch vegetative Vermehrung entstanden, es handelt sich also um Klone. Wie auch immer: Sie sind knackig und rettichähnlich scharf. Und man kann damit richtig Leute beeindrucken. 🙂

Zwiebelschaumkraut mit Zwiebelchen. In diesem Stadium ernten wir die Blüten und die kleinen Kügelchen.

Ich liebe die Zahnwurz, wenn sie noch so klein, glänzend, saftig, mild und zart ist wie jetzt im März. Außerdem lassen zu der Jahreszeit die anderen Wildkräuter noch auf sich warten. Hier die Wirkungen:

  • keimhemmend, „antibiotisch“, auch gegen Viren und pathogene Pilze (teils stark antibakteriell ⇒ Blasenentzündung, Atemwegsinfekte)
  • blutreinigend
  • Hautbild-verbessernd (Reinigung von innen)
  • „Schleimhautspülung“ von innen (Lunge/HNO, Harnwege)
  • Regulierung der Zellteilung (stark krebshemmend)
  • cholesterinregulierend
  • antithrombotisch, verbessert die Fließeigenschaften des Blutes
  • blutdruckregulierend
  • knochenstärkend (durch Vitamin C, Calcium und unzählige andere Mineralstoffe)
  • bindegewebsstärkend
  • gegen Durchfall, Verstopfung, Blähungen

Als Nahrungsmittel saisonal im Frühling genossen, kann sie die genannten Leiden sehr effizient verhindern, auch im Wechsel mit Verwandten wie Kresse, anderen Schaumkräutern oder Hirtentäschel. Bestehende Probleme zu bekämpfen, ist immer etwas langwieriger.

Von Senf, Iod und Riesendrüsen
Die enthaltenen Senföle (s. nächster Absatz) können die Iodaufnahme aus der Nahrung reduzieren und so einen Iodmangel hervorrufen. In extremen Fällen kann es zu einer krankhaften Vergrößerung der Schilddrüse, einem „Kropf“, kommen. Das passiert aber nur bei jahrelanger, sehr einseitiger Ernährung mit Kohlgemüse und anderen Kreuzblütlern. Auch hier gilt: Wer aus „Vorsicht“ auf Kreuzblütler verzichten würde, würde sich größeren Schaden zufügen, als wenn er normale Mengen konsumiert.

Von Zucker und Senf
Für diese Effekte sind die scharfen Senföle (= Isothiocyanate) verantwortlich. Sie werden aus ihren Glycosiden (den Glucosinolaten, auch „Senfölglycoside“) freigesetzt, sobald die Zelle verletzt wird, nämlich durch Kauen oder Zerschneiden. Denn die Abspaltung des Senföls aus seinem Glycosid wird von einem Enzym bewerkstelligt, das in der intakten Zelle separat aufbewahrt wird. Erst durch Verletzung der Zelle kommen die beiden zusammen und das Enzym schneidet den Zucker (die Glucose, = das komische Sechseck links vom S) ab. Der verbleibende Molekülrest ist das Senföl.

Falls jemanden die Formel interessiert (© Benjah-bmm27):

Deshalb wird auch der Kren traditionellerweise nicht gerieben, sondern „gerissen“, dafür ist der komische Teil auf der Reibe da – der mit den vielen spitzen, kleinen Zähnchen. So werden die Zellen erst so richtig zermerschert, und die volle Schärfe kann sich entfalten. Senfölglycoside kommen in Mitteleuropa ausschließlich in Kreuzblütlern vor.

Die verschiedenen Selföle sind – genau wie die ätherischen Öle – fettlöslich und werden im obersten Dünndarmabschnitt, also gleich nach dem Magen, sehr leicht ins Blut aufgenommen. Wenn sie nicht vorher schon von irgendeinem hilfreichen Darmbewohner gefressen wurden, denn auch die freuen sich drüber; die weniger hilfreichen werden praktischerweise zerstört oder gehemmt. (Senföle sind schließlich bakterizid)

Ausgeschieden werden sie über Niere und Blase, sodass sie auch hier nochmal ihre antimikrobielle Wirkung entfalten können, z.B. bei einer Blasenentzündung.

Zu den Senfölglycosiden kommt noch eine Menge Vitamin C und Calcium, um nur zwei aus der langen Liste ihrer Nährstoffe zu nennen. Wesentlich an der Wirkung beteiligt ist außerdem das ätherische Öl der Zwiebelzahnwurz.

Verwendung
Alle Schaumkräuter verwendet man am besten frisch, beim Trocknen würden sie sehr verlieren. Man kann sie auch einfrieren, z.B. indem man sie (ggf. mit anderen Frischkräutern) zu einem grünen Smoothie vermixt und dann in Eiswürfelförmchen einfriert, dann sind sie auch gleich gut portioniert.

Kulinarisch kann man sie genau gleich einsetzen wie Kresse: grob oder fein geschnitten drüberstreuen, oder im Ganzen drapieren – ich knabbere zum Frühstück gerne die ganzen Blättchen zum Käsebrot dazu.

Typische Merkmale: zeitig im Vorfrühling; wächst auf Waldböden mit dicker Laubschicht; unbehaart; rötlich überlaufen

Hier ein Einzelblatt, Struktur schon gut erkennbar: längliche Blattform mit mehreren Fiederblättern. 1 an der Blattspitze (weist nach links), zwei weitere Fiederblattpaare = 5 Blattfiedern.

Spätestens an dieser Stelle bin ich mir sicher genug, um zu kosten: Eindeutig scharf! Bingo! 😀

Ziemlich fertiges Blatt, viel mehr wirds nimmer. Unten sieht man, dass die Pflanze noch viel vorhat: Sie wird mindestens kniehoch. Schön zu sehen die gesägten, spitz zulaufenden Blattfiedern.

Kleiner Exkurs: Das eng verwandte „Behaarte Schaumkraut“, Cardamine hirsuta. (auch wenn ich noch keine Haare drauf gefunden hab – vielleicht braucht man dazu eine Lupe) Auf Englisch sehr sprechend „Hairy Bittercress“, denn bitter schmeckt sie. Lange nicht so gut wie die Zwiebelzahnwurz. Aber sehr kälteresistent und damit schon im kalten Vorfrühling, wo man noch nimmt was man kriegt. Eine kleine Menge waschen und fein schnippeln, damit sich der Geschmack gut verteilt, z.B. in Salat und Aufstrich. Eh in allen Rezepten, wo Kresse und Zwiebelzahnwurz hineinpassen, nur vorsichtiger sein mit der Menge wegen der herberen Note.

Behaartes Schaumkraut oder Gartenschaumkraut: Im frühesten Frühling auf offenen Flächen, gerne Pionierpflanze auf nackter Erde. Bildet dichte, kleine Rosetten mit winzigen weißen Kreuzblüten.

Entzückt mich immer wieder – so wunzig, und so kraftstrotzend! Sehr hübsch, die Blätter mit den vielen rundlichen Blattfiedern, knackig und saftig. Sieht man aber nur, wenn man ganz genau hinschaut. 🙂

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Noch mehr Öhrchen

Ich kanns nicht lassen, ich könnte täglich die Judasohren im Garten fotografieren. Oder besser gesagt Judasöhrchen, sie sind ja noch ganz klein. Ich hoffe, sie überleben lange genug, dass ich sie auch noch fotografieren kann wenn sie schon groß sind; kann sein, dass wir sie vorher schon aufessen. Sie schmecken nämlich besser als als man meinen könnte. Einfach in feine Streifen schneiden und dekorativ über den Salat streuen, oder unter die Nudeln mischen, oder ins Dressing mixen, oder … oder … oder …

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Gegen alles ist ein Winterling gewachsen

Zum Abschied von 2017 noch schnell etwas Saisonales.

Was ist ein Winterling? Ja, das ist nicht ganz einfach, da gibt es nämlich mindestens 3 Möglichkeiten: Judasohr, Austernpilz oder Samtfußrübling. Das sind Pilze, die den Kältereiz brauchen, um Fruchtkörper zu bilden. Sie haben dadurch den Vorteil, dass im Winter der Fraßdruck durch Insekten, Bakterien und Schimmelpilze stark verringert ist. Alle drei sind Baumpilze. Dazu zwei kleine Überlieferungen:

  1. Nahrung von Vierbeinern (Rind, Schwein, …) ist nicht so gesund wie Nahrung von Zweibeinern (damit sind natürlich Vögel gemeint, z. B. Hühner);
    Nahrung von Zweibeinern ist nicht so gesund wie Nahrung von Einbeinern – und damit sind Pilze gemeint.
  2. Und Hildegard von Bingen fügte hinzu: Besser Baumpilze als Bodenpilze!

Für uns Menschen (und auch Tiere) sind sie als köstliche Speisepilze interessant, und natürlich als Heilmittel. Man kann – aus selbst gesammelten oder gekauften Pilzen – ein stärkendes Elixier herstellen, das gegen jegliches Leid schützen sollte. 😉 Jeder der drei genannten Pilze kann dazu verwendet werden. Ich habe das unfassbare Glück, zwei von von den dreien jetzt gerade im Garten zu haben; und den Austernpilz habe ich schon beim Spazierengehen gefunden. So treibt mich der Heilpilz-Jagdtrieb immer wieder an bestimmte Orte im Wald, um zu sehen, ob es was zu sammeln gibt. Außerdem fällt von meinem Arbeitstisch aus mein Blick genau auf einige Birkenporlinge auf einer der Birken vorm Haus. Ich habe etwas davon in Korn angesetzt. Fürs neue Jahr. 🙂

Heilpilztinktur

… aus getrockneten Pilzen: 1 l Korn (38 %) in ein verschließbares Glas geben. 50 g Pilzpulver einrühren. Verschließen und 10 – 14 Tage an einen dunklen Ort stellen. Danach abseihen und in Tropfer-Fläschchen umfüllen. 2 x täglich 20 Tropfen in Wasser oder Tee.

… aus frischen Pilzen:  Glas zu 2/3 mit den frischen Pilzen füllen, mit möglichst hochprozentigem Alkohol auffüllen (z. B. Ansatzkorn = 80 %). Gut verschließen und warm stellen (es ist ja Winter). Nach 4 Wochen durch ein Sieb passieren, in braune Flaschen füllen und auf 30 % verdünnen. (Den Sud mit Wasser bedecken und 24 h ziehen lassen und abseihen, das ergibt einen Gesundheitstrunk.) 3 x täglich 6 Tr. in Wasser, Tee oder Saft.

Die gesundheitlichen Wirkungen von Pilzen sind in der Volksheilkunde erschöpfend beschrieben, und langsam zieht endlich auch die medizinische Forschung nach. Folgende Wirkungen sind bislang wissenschaftlich bestätigt:

Austernpilz (Pleurotus ostreatus)

  • cholesterinsenkend (wenn erhöht)
  • entzündungshemmend
  • antioxidativ
  • tumorhemmend
  • verdauungsfördernd
  • Osteoporose-Prophylaxe
  • immunmodulierend

Der Austernpilz oder Austernseitling hat neben „Winterpilz“ noch weitere sprechende Beinamen, nämlich „Weihnachtspilz“ und „Kalbfleischpilz“. Er ist in Konsistenz und Eiweißzusammensetzung einem zarten Kalbssteak nicht unähnlich. Foto: © Holger Krisp, Ulm

Austern-Seitling_Austernpilz_Pleurotus_ostreatus

Judasohr (Auricularia auricula-judae)

  • blutstillend (innerlich und äußerlich)
  • blutgerinnungshemmend – verbessert die Fließeigenschaften des Blutes, daher …
  • durchblutungsfördernd
  • Bluthochdruck
  • blutzuckersenkend (wenn erhöht)
  • cholesterinsenkend (wenn erhöht)
  • Diabetes Typ 2
  • tumorhemmend
  • antioxidativ
  • entzündungshemmend
  • Hämorrhoiden
  • Muskelkrämpfe
  • Schmerzen des Bewegungsapparats (v. a. Rücken)
  • Tonikum, Stärkungsmittel

Also insgesamt ein Rundum-Gesunderhalter, wenn vorbeugend eingenommen, und ein gutes Ausgleichsmittel, wenn etwas aus dem Lot geraten ist. Es ist übrigens das europäische Pendant zum Mu-err, der schwarzen „Morchel“ in der Suppe im Chinarestaurant. (die Bezeichnung Morchel ist hier falsch) Judasohren enthalten sogenannte sulfatierte (also schwefelhaltige) Polysaccharide, die Polysacchariden in Algen ähneln. Foto: © Svdmolen 2005

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Samtfußrübling

  • tumorhemmend (begleitend in der Krebstherapie)
  • immunmodulierend (ausgleichend, auch bei Allergien)
  • antioxidativ (Zellschutz)
  • virushemmend
  • Magenschleimhautentzündungen
  • Entzündungen der Magenschleimhaut
  • Bluthochdruck
  • Leberleiden

Der Samtfußrübling (Flammulina velutipes) ist im Heilpilz-Handel unter dem Namen Enoki erhältlich. In der Schweiz, wo die Schmetterlingstramete nicht als Vitalpilz zugelassen ist, wird er als Ersatz für diese verordnet. Foto: © Henk Monster, Arnhem/D 2014

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Die genannten Anwendungsbereiche sind nicht in Stein gemeißelt, denn erstens sind sie nur eine grobe Zusammenfassung, und zweitens werden laufend weitere Eigenschaften wissenschaftlich bestätigt.

© Headerfoto: Wikicommons, Sideways.72, November 2015

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Oktoberwaldstrudel

Hab ich endlich auch mal einen richtigen Herrenpilz gefunden! Wurde nach den ganzen Frauentäublingen im September aber auch Zeit.

Ich hab ihn kleingeschnippelt und zu den gerösteten Zwiebeln und Knoblauch getan. Dann einen Esslöffel Suppenstock dazu und alles schön durchgebraten. Nach dem Überkühlen gekochte, gewürfelte Kartoffeln, Pfeffer, 2 rohe Eier und 100 g geriebenen Käse dazu, UND eine Handvoll klein geschnittenes Lungenkraut, das jetzt gerade so knackig grün sprießt, als gäbs keinen Winter! Dann alles in einen Blätterteig gewickelt, mit Öl bestrichen und bei 180 °C eine halbe Stunde gebacken. War ziemlich schnell wieder weg. 😉

Der Suppenstock ist sowas wie ein selbstgemachter Suppenwürfel: Frisches Gemüse (rote Rüben und anderes Wurzelgemüse, Selleriegrün, Kohlrabi, Zwiebeln und Knoblauch), mit viel Salz und etwas Öl in der Küchenmaschine fein zerkleinert und in saubere Gläser gefüllt, hält im Kühlschrank ziemlich lang. Bei Bedarf entnimmt man einfach ein, zwei Löffel. Und nicht nur für die Suppe.

Pilze & Radioaktivität

Wie viele Röhrlinge, zeigt auch der Herren- oder Steinpilz (Boletus edulis) seit 1986 eine gewisse radioaktive Belastung. Jedoch in viel geringerem Ausmaß als der Maronenröhling. Dennoch kann man sie hie und da als Lebensmittel konsumieren, auch den Maronenröhrling. Radioaktivität ist ein Naturphänomen, wir sind ihr – mit regionalen Schwankungen – ständig in kleiner Menge ausgesetzt.

Hin und wieder ein Pilz im Essen ist kein Problem; als Heilpilze – also kurmäßig – eingesetzt sieht es wieder anders aus. Also: Steinpilz und v.a. Maronenröhrling nur hie und da als Lebensmittel, aber NICHT als Heilmittel! Eigentlich schade; denn der Steinpilz soll Muskulatur und Sehnen entspannen. Doch für diese Zwecke gibt es ja andere, die im Handel (in Kapseln) erhältlich sind, ganz besonders den Austernseitling (Pleurotus ostreatus), mit dem man speziell im Bereich der Lendenwirbelsäule schon Erfolge verzeichnet haben soll.

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Letzte öffentliche Kräuterwanderung für heuer!

 … und es erwartet uns ideales Wanderwetter!!! 🙂

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Wien/Steinhofgründe: Egal, ob Sie Brennnessel oder Löwenzahn schon kennen: Alte Bekannte und neue Freunde werden bei dieser kleinen Wanderung aufgespürt, gepflückt, analysiert, gestreichelt, beschnuppert, gekostet und ausgiebig bestaunt. Essbare Wildpflanzen sind kostenloses Powerfood, sind immer saisonal und regional und lassen uns die uralte Tradition des Sammelns fortführen. Sie erfahren, wie Sie die Wildkräuter sicher erkennen, was sie für uns so wertvoll macht, wie sie zu verwenden sind und wie sie in früheren Zeiten verwendet wurden. Und nebenbei erhalten Sie das eine oder andere Rezept.
Passend zum Thema: mein Beitrag Ernährung und Volkskrankheiten im neuen Online-Magazin Ernährung&Gesundheit.

Anmeldung: VHS polycollege Wien, Tel. +43 1 891 74 105 000

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ICH HAB VON DER GEMEINEN STINKMORCHEL GEKOSTET!

Keine halben Sachen: Seit ich mich mit Heilpilzen beschäftige, schau ich mir auch die Schwammerln im Wald genauer an. Und jetzt ist ja alles voll davon – nur finde ich meistens keine Steinpilze, Parasole oder Eierschwammerln, sondern undefinierbare Gewächse, die ich nicht im Buch finde oder mit denen ich einfach nichts anzufangen weiß.

Zum Beispiel Stinkmorcheln. Das sind ja wirklich skurrile Lebewesen, wer würde das schon mitnehmen wollen. Dachte ich. Bis gestern. Die Hexeneier im Boden, teils noch geschlossen, teils schon ein wenig aufgeplatzt, schauen aus als würden hier bald kleine Aliens das Licht der Welt erblicken. Ich konnte nicht anders – ich hab eins mit dem Taschenmesser ausgehebelt (das ging erstaunlich leicht) und mit nachhause genommen.

Ich dachte, das wären Hundsruten, aber um sicher sein zu können, muss man die Dinger sezieren. Die Neugier hat gesiegt, und ich hab das Messer angesetzt und gesäbelt – das ging erstaunlich schwer! Am Querschnitt bzw. der Färbung war klar zu sehen: keine Hundsrute, sondern eine Gemeine Stinkmorchel.

Ich wusste schon, dass man die im Hexenei-Stadium essen kann, aber ich hatte irgendwie keinen Hunger. Also hab ich ein paar Fotos gemacht, die Gallerthülle entfernt, wieder ein paar Fotos gemacht, das Pilz-Küken ein wenig zerschnippelt, nur um zu sehen, wie es sich verhält. Und dann war die Neugier stärker: Ich hab ein Bröselchen gekostet. Und tatsächlich: Schmeckt ähnlich wie Bierrettich, und fühlt sich auch so an! Und weiß ist es auch! Ich hab noch ein bisschen davon geknabbert – also sollte mal eine Hungersnot ausbrechen, hab ich wahrscheinlich alle ungeschlüpften Stinkmorcheln für mich alleine. Mahlzeit!

Nachtrag zweieinhalb Monate später: 
Die gallertartige Masse des Hexeneies hat eine unglaubliche Eigenschaft! Reibt man es (frisch) auf Hände und Gesicht, so wird die Haut unverzüglich cremig, geradezu seifig-weich. Die Gallerte ist extrem feuchtigkeitsbindend; diese Wirkung hält auch nach Stunden noch an. (Zitiert aus: http://www.123pilze.de)

Hätt ich das doch früher gewusst! Ausgerechnet Phallus impudicus für die totale Schönheit! 👸 Und ich hab das Glibberzeug mit spitzen Fingern weggeworfen, ich gebs zu. Jetzt muss ich wieder bis Oktober warten …

 

Und noch ein paar Bilder vom Fundort:

 



 

Die kleinen Rotfußröhlinge haben uns doch besser geschmeckt.

Rotfussröhrlinge

#heilpilze #vitalpilze

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Waldbaden – Gesundheit aus Japan

Dies ist die erste Folge meiner Kolumne in der Zeitschrift des Österreichischen Kneippbundes, erschienen in der Ausgabe 09/2017. Verwendung mit freundlicher Genehmigung der „Kneipp bewegt“-Redaktion! 🙂

Dass Waldluft gesund ist, hat man schon immer „irgendwie“ gewusst. Nun hat „Shinrin-yoku“ endlich auch Europa erreicht: In Japan wird das Baden in Waldluft seit 1982 behördlich empfohlen; seit 2012 wird die „Forest Medicine“ sogar in einem eigenen Studienzweig erforscht.

Waldbaden

Denn Wald wirkt nicht nur über die Psyche. Alle Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen geben Stoffe in die Luft ab. Blätter, Borken, Wurzeln, Moose, Erde – sie alle verströmen Substanzen, die direkt unser Immunsystem ansprechen. Sie stärken unsere Abwehrkräfte so gründlich, dass sie sogar Krebs bekämpfen.

Ein Waldbad soll nicht anstrengend sein. Sich vom Wald durchdringen lassen, ganz in seinen Gerüchen, Geräuschen, Temperatur, Licht und Farben aufgehen, vielleicht sogar eine Atemübung machen – so nehmen wir die Waldatmosphäre am tiefsten in uns auf. Am allerbesten nach einem Sommerregen.

Nachtrag: Die Effekte aufs Immunsystem hören mit dem Inhalieren von Substanzen aus der Luft noch lange nicht auf, auch die Bedeutung von Mikroorganismen ist immens. Für ein möglichst kompetentes Immunsystem braucht es eine größtmögliche Vielfalt an Keimen, Bakterien, Pilzsporen, … Und wo könnte diese Vielfalt größer sein als in freier Wildbahn? Schließlich trägt jeder Käfer, jeder Wurm, sogar jede Laus ihren kleinen Zoo an Mikroorganismen mit sich! Auch diese Einzeller können aufgewirbelt werden und über die Mund-, Nasen- und Rachenschleimhaut eindringen, sodass unsere Immunabwehr gefordert wird. Und sie können an Handfläche und Fußsohle die Haut durchwandern, wann immer man in Wald und Wiese etwas angreift oder barfuß geht. (ruhig mal in der Erde wühlen!) Schon die Bakterienflora auf Obst und Kräutern aus dem Garten ist wesentlich reichhaltiger als die auf Produkten vom Feld. Dieses niederschwellige Immuntraining mittels Mikroorganismen aus der Natur kommt einer Impfung gleich. Es macht robuster gegenüber den fieseren Keimen in Ballungsräumen oder Krankenhäusern.

Ratsam ist sowas natürlich nur an nicht verunreinigten Orten; Hunde-Gassistrecken und gespritzte Agrarflächen werden diesbezüglich schon instinktiv gemieden.

Kontraindikation: Bei (immun-)geschwächten, gebrechlichen, sehr alten oder sehr jungen Menschen kann eine allzu intensive Exposition riskant sein.

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